Meine Geburtsmarathon:-)

Letzten Montag sollte es nun endlich so weit sein. Nach langen Wochen des Wartens sollte nun endlich eingeleitet werden. Die gemessenen Gewichte laut Ultraschal sahen so gut aus, dass ich diesem Falle nicht lange argumentieren musste und die nette und sehr taffe Oberärztin des Albertinen Krankenhauses mich auch gleich in den Kreißsaal durchgehen ließ. (Später haben wir dann gemerkt, dass sie einfach noch kein Zimmer frei hatten) Aber mir war es sehr recht. In den letzten Wochen der Schwangerschaft, war die Anstrengung für mich einfach so groß, dass ich ehrlich gesagt einfach nur froh war, dass es nun endlich losging.

In diversen Vorgesprächen hatten ich den Ärzten mitgeteilt, dass ich trotz einer BEL (Beckenendlage) und einer SL (Schädellage) eine natürliche Geburt ohne PDA wollte. Und ich schreibe ganz bewusst “wollte“ und nicht “anstrebte“, da ich so überzeugt davon war, dass ich das schaffe, das es für mich ehrlich gesagt keine Zweifel daran gab. Das Wochenende vor der Geburt habe ich mich, wie vor einem Marathon, Kopf technisch immer wieder darauf versucht vorzubereiten, bin die Strecke immer noch mal abgelaufen und habe mir bewusst gemacht, dass es mein letzter uns somit für mich mein bester Lauf werden sollte. Es klingt vielleicht etwas komisch wenn ich eine Geburt mit einem Marathonlauf vergleiche, aber für mich fühlt es sich so an. Du musst auf einer bestimmten Strecke alles geben, all Deine Kräfte zusammenraffen, dein Kopf muss klar und voll bei der Sache sein und Du darfst Dich von Deinem eigenen Gefühl nie ablenken lassen. Nicht durch Ärzte, nicht durch #Lieblingsmenschen, Eltern, Freunden oder Verwandte. Du musst auf deinen Bauch hören (was bei dem Umfang und Fülle sicher etwas komisch klingt:-)) und musst immer wieder in Dich und Deinen Körper hören, damit Du möglichst schmerzfrei ans Ziel kommst. Du musst Deine Grenzen kennen und Sie dennoch überschreiten.

Um 10 Uhr ging meine Marathon los. Ich wurde an diverse Gerätschaften (Wehenmesser, CTG etc.) und den Wehentropf angeschlossen. Die ersten “unechten“ Wehen, sind zu vergleichen mit mittelstarken Regelschmerzen und für mich immer viel unangenehmer als die “echten“ Wehen. Ich hatte eine ganz reizende Hebamme, die immer wieder nach mir guckte und mit der ich einen kurzen Plausch hielt und mein #Lieblingsmensch Olli war die Ganze Zeit mit von der Partie. Bis auf einen kurzen Abstecher in die Krankenhauskantine und nachdem er von dort wieder kam, roch der gesamte Kreißsaal nach Kantine/Imbiss…schön wars, weil wir mal richtig Zeit für uns hatten…so ganz ohne Kinder und ohne großen Trubel. Mit kleinen Sprechpausen während der Wehen, mit viel Witz und Freude und vor allem gemeinsamer Aufregung.

Man glaubt ja nicht, wie laaaaaangweilig die Zeit während so einer Einleitung im Kreißsaal sein kann. Das es nun endlich richtig losgeht und man richtig durchstarten kann….aber so ein Marathon ist auf den ersten 10 Kilometern ja auch noch ganz easy zu laufen.

Um 15 Uhr kam die Oberärztin und wollte mir klar machen, dass wir jetzt erst mal eine Pause machen würden und später bzw. morgen dann weitermachen wollen. Wollen wir??? Nein wollen wir nicht. Ich konnte Sie davon überzeugen, dass ich meinen Marathon bei Kilometer 15 nicht unterbrechen möchte, sondern die Geschwindigkeit jetzt mal ein bisschen erhöhen möchte und konnte Sie davon überzeugen, mir die Fruchtblase aufzumachen. Da gibt es so einen tollen Handschuh, der hat vorne einen kleinen “Haken dran“ womit man die Fruchtblase öffnen kann. Im Gegenzug habe ich mich von Ihr, zu einer PDA überzeugen lassen, sobald die Wehen zu schmerzhaft werden sollten.

Dann wurde das Tempo und der “Wums“ der Wehen wesentlich stärker. Die echten Wehen waren da. Für mich hieß das vollste Konzentration. Das ist wie Sprinten beim Marathon….3 Min langsam, entspannen und durchatmen und 1 Min absolutes Vollgas. Um 17:30 Uhr war ich bei Kilometer 30 angelangt und nochmal kam der Coach und sagte mir, dass es wirklich gut wäre mal einen Liter Wasser zu trinken. Im übertragenen Sinne: Ich ließ mir eine PDA legen. Was soll ich sagen…wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mehr Angst vor der Spitze bei einer PDA als 8 Stunden in den Wehen zu liegen. Aber ich habe den “Pieks“ überlebt.:-) Das war im Übrigen der einzige Moment, an dem ich eine Hand zum drücken benötigte.:-)

Um 18:30 Uhr, bei Kilometer 35, füllte sich langsam der Kreißsaal. Ein Ärzteteam wurde gerufen und das waren wirklich richtig viele Ärzte (zwei waren darunter, die nur zum gucken dabei sein wollten, da so eine natürliche Zwillingsgeburt in SL und BEL wohl ziemlich selten ist), Spritzen wurden aufgezogen, noch mehr Gerätschaften angeschloßen…und immer den Marathon vor Augen in vollster Konzentration…Du siehst das Ziel in einiger Entfernung, die Zuschauer am Rand werden immer mehr und das Coachteam gibt Dir von der Seitenlinie Anweisungen wie Du dein Tempo zu halten hast, damit Du gut durchs Ziel kommst.

Nach drei sehr knackigen Sprinteinlagen, bei Kilometer 40, kam um 19:43 Til mit 52 cm und 3330g in SL zur Welt und nach zwei weiteren eher schon “Auslaufeinlagen“, bei Kilometer 42, kam um 19:58 seine Schwester Fee mit 49 cm und 3070 g in BEL hinterher. Sozusagen zwei Zieleinläufe in einem Marathon.:-) Und das ganze komplett ohne Verletzungen oder Ähnlichem.

Danach hat sich das gesamte Coachteam verabschiedet und mein #Lieblingsmensch und ich hatten zwei Stunden Auslaufphase im Kreißsaal….erste Kuschelzeit mit unseren kleinen Zwergen und die Mutti hat, trotz Erschöpfung die ersten Späße über die Vorfreude auf die erste Weinschorle gerissen. Das war schön…so richtig schön….:-)

Im Großen und Ganzen war es ein wunderschönes, sehr einzigartiges, tolles, großartiges Erlebnis, was ich nicht missen möchte und dank des wunderbaren Teams war es eine fantastische Erfahrung, die ich noch sammeln durfte und mit diesem Bericht auch ein Stück weitergeben möchte, gerade an die, die vielleicht große Ängste vor der Geburt haben, Angst vor den Schmerzen, Angst vor der Herausforderung etc…..es ist gut zu schaffen, es ist nicht immer alles easy aber mit der richtigen Haltung, gutem Selbstvertrauen und mit viel Disziplin kann man diesen Marathon gut bewältigen. Selbstverständlich kann man “Verletzungen“ oder “Spontan Ausfälle“ nie ausschließen aber mit einem sehr gesunden Optimismus kann man diese Dinge vielleicht von vorn herein “klein“ halten. Und den Preis den man nach so einem Marathon überreicht bekommt, der ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ich habe das große Glück gleich zwei gesunde und toll gewachsene Hauptreise gewonnen zu haben und dafür bin ich unendlich dankbar.

Ein Kind, was bedeutet das für mich…
Glück, für das es keine Worte gibt,
Liebe, die Gestalt angenommen hat,
eine Hand, die zurückführt in eine Welt,
die man längst vergessen hat.

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Comments

  1. Herzlichen Glückwunsch zu den beiden Süßen. In welcher Woche wurdest du eingeleitet? Genießt die Zeit zusammen und ganz viel Spaß beim kuscheln

  2. Was für ein toller Geburtsbericht 🙂
    Es liest sich wie die Geburt unserer Zwillinge 9 Tage später am 10.2. 🙂
    Ich wurde ebenfalls bei 37+3 eingeleitet und drängte auch auf den Enspurt 😉
    Samira kam um 18:48 Uhr mit 2980 g (SL) und Tarik um 19:07 Uhr mit 3450 g (zunächst QL, dann in SL gedreht) zur Welt.
    Hatte auch keinerlei Verletzungen. Der einzigste Wermutstropfen nach dieser Traumgeburt war, dass sie die 2. Plazenta nicht gelöst hat und diese manuell bei einer anschließenden OP unter Vollnarkose entfernt werden musste üò¢.
    Wahnsinn das du nach dieser kurzen Auszeit schon wieder arbeiten gehst. Du hast meinen vollsten Respekt. Euch alles Gute!!!

  3. Ich denke es ist falsch zu behaupten, dass man mit genug Selbstbewusstsein und Disziplin eine Geburt, so wie du sie hattest, überstehen kann. Das suggeriert sehr vielen Müttern, dass sie diese Art Geburt nicht „geschafft“ haben, weil es ihnen an diesen Dingen fehlte. Und das ist ein großes Problem unter Müttern. Eine Geburt ist nicht immer hervorsehbar. Es hätte auch anders laufen können und das hat definitiv nichts mit Disziplin zu tun! Ich freue mich für dich, dass du eine so schöne Geburt hattest, die nach deinen Vorstellungen ablief. Aber was wäre, wenn es doch ein Notkaiserschnitt gewesen wäre?

  4. Author

    Entscheidend ist der Satz ‚Selbstverständlich kann man “Verletzungen“ oder “Spontan Ausfälle“ nie ausschließen aber mit einem sehr gesunden Optimismus kann man diese Dinge vielleicht von vorn herein “klein“ halten.‘ Natürlich gibt es Notfälle, Situation und Umstände, die so eine schöne Geburt, wie ich sie hatte, nicht zu lassen. Aber davon gibt es, meiner Meinung nach schon genug Berichte im Netz. Und genau aus diesem Grund, habe ich meine Erfahrungen und meine Einstellung dazu runter geschrieben. Ich habe vier Kinder, genau mit dieser Einstellung, gesund zur Welt gebracht und wenn mein Bericht dazu führt, dass die ein oder andere Schwangere, aufgrund dessen ein bisschen weniger Angst vor der Geburt hat, dann habe ich alles mögliche erreicht.

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