Chaos Elternabend – Teil 2

Es war ein aufregender, interessanter und vor allem sehr aufschlussreicher Tag. So viel Kritik für einen Blogeintrag habe ich noch nie erhalten. Für mich teilweise sehr beängstigend, was dort von Pädagoginnen zum Besten gegeben wurde. Noch einmal zur Klarstellung: Dies ist ein Blogeintrag, der meine persönlichen Erlebnisse bei einem Elternabend schildert.

https://mamaliness.wordpress.com/2016/04/16/chaos-elternabend/

Weder habe ich eine gesamte Berufsgruppe angegriffen noch Kritik an einer gesamten Berufsgruppe geübt. Schlimm jedoch, dass diese sich mit diesem Blogeintrag so immens angegriffen fühlt. Interessant und beängstigend für mich sind aber die Kommentare, zu denen sich einige Lehrer haben hinreißen lassen um sich für Ihre Berufsgruppe auszusprechen. Um einen Eindruck über das Ausmaß geben zu können, habe ich einige Zitate aus den Kommentaren zusammengestellt und meine persönliche Einschätzung direkt dahinter geschrieben:

„Aber wenn ich alles, was die Kinder im Morgenkreis erzählen, für bare Münze nehmen würde, müsste ich mehrmals im Monat Eltern kontaktieren. “

Sicherlich nicht alles, aber wenn es bei einem Kind häufiger vorkommt oder sie die Glaubwürdigkeit dieses Kindes nicht in Frage stellen müssen, dann erwarte ich selbstverständlich, dass man uns, als Eltern informiert, sich abstimmt und gemeinsam eine Lösung findet.

„Was wäre eigentlich, wenn man der Friseurin, dem Bäcker oder der Schuhverkäuferin ständig schlaue Tipps geben würde, wie sie ihren Beruf noch ein bisschen besser machen könnten? Schließlich hat man seit der Geburt Haare, isst täglich Backwaren und hat schon 200 Paar Schuhe gekauft, da weiß man schließlich, wovon man redet!!! “

Will man unsere Kinder hier mit Haaren, Backwaren oder Schuhen gleichstellen? Wenn mir die Schuhe nach einer Woche nicht mehr gefallen, tausche ich sie um…das gestaltet sich bei Kindern eher schwierig. Und weder muss ich für meine Schuhe noch für meine gekauften Brötchen Verantwortung übernehmen geschweige denn sie erziehen.

„Die meisten Kinder (und oft die aus den besten Verhältnissen) erzählen zu Hause etwas völlig anderes oder total überspitzte Versionen von dem, was wirklich in der Schule passiert. Und ganz ehrlich – um die wirklich relevanten Dinge kümmern wir Lehrer uns schon! Aber wenn ich mir für jedes Anrempeln in der Pause während der anschließenden Stunde Zeit nehme, dieses zu klären, würde ich überhaupt nicht mehr zum Unterrichten kommen! “

Wird hier ein blaues Auge und gezielte Schläge an den Hinterkopf bagatellisiert und als Anrempeln abgetan? Im Erwachsenenalter nennt man so etwas Körperverletzung, die meist strafrechtlich verfolgt wird.

“Wenn Sie nur die Hälfte von dem glauben, was Ihre Kinder von der Schule Zuhause erzählen, dann verspreche ich Ihnen, dass ich auch nur die Hälfte von dem glaube, was Ihre Kinder in der Schule von Zuhause erzählen.‚Äù

Ich glaube nicht nur die Hälfte. Ich nehme meine Kinder ernst und frage nach. Selbstverständlich flunkern Kinder und schmücken Geschichten aus. Aber auch hier: Aus meinem Blogeintrag geht ganz klar hervor, dass mehrere Kinder, einer ersten Klasse, diese Erlebnisse Ihren Eltern geschildert haben. Ein unabhängiges Verbündnis von mehreren Schülern, die alle die gleiche „Geschichte“ erzählen, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

„Die Eltern meinen immer, tausend bessere Lösungen parat zu haben, aber wie es im Schulalltag wirklich läuft, wissen sie nicht. “

„Es wundert mich nicht mehr, dass einige Eltern alles, aber auch wirklich ALLES, besser wissen. “

Wir wissen nicht alles besser, aber da wir eine Fürsorgepflicht unseren Kindern gegenüber haben, müssen wir selbstverständlich eingreifen, wenn etwas schief läuft und wir das Gefühl haben nicht ehrlich informiert zu werden. Von gezeigten Justin Biber Videos, in denen halbnackte Frauen, seinen Körper ablecken, während der Unterrichtszeit bis hin zu Prügeleien….ich halte dies, für Themen, bei denen ein Eingreifen nicht zu verhindern ist. Und wie ja auch im Eintrag beschrieben, übernehmen wir hier Verantwortung und klären die Dinge gleichzeitig auch eigenmächtig außerhalb der Schule, aber erwarten selbstverständlich auch, das die Lehrer in der Schule diese Fälle nicht mit einem: „Alles super, alles bestens“ abtun.

„Wer als Lehrkraft mit Eltern zu tun hat, die eine solche Haltung gegenüber der Professionalität von Lehrkräften an den Tag legen, hat echt ein schweres Los gezogen. “

Ein schweres Los? Eltern, die Dinge in Frage stellen und Kritik üben, sind ein schweres Los? Wer Kritik annehmen kann, hat auch die Chance, gemeinsam Dinge zu ändern. Schade, dass das anscheinend sehr vielen Menschen schwer fällt.

„Da muss die Lehrerin auch noch die Eltern erziehen. Die Veröffentlichung dieses Artikels ist eine Frechheit. “

Erziehen, den Mund zu halten? Wegzuschauen? Kleinen Tyrannen heran zuziehen? Sollen wir zu Hause mehr Justin Biber Videos zeigen? Oder sollen wir unseren Kindern einfach mal ein paar aufs Maul hauen und die Ampel danach auf Rot stellen?

Laut den Profilen sind alle diese Kommentare von Lehrerinnen geschrieben worden. Entweder hat man meinen Blogeintrag nicht richtig gelesen oder man wollte nur das Lesen, was Einem passt. Beängstigend, meiner Meinung nach, sind die Ansichten dieser Leser. Noch mal: Mein persönliches Erlebnis bei einem Elternabend führt dazu, dass sich Menschen angegriffen fühlen, die einzig und allein, dem gleichen Berufszweig angehören. Das wäre so, als würde ich einen sehr kritikfreudigen Bericht über eine andere „Arbeitende Mutter“, die Ihr Kind 12 Stunden im Kindergarten lässt und abends mit ihren Freundinnen Party machen geht, lesen und mich daraufhin so persönlich angegriffen fühlen, dass ich mich zu solch, teilweise sehr heftigen Kommentaren, hinreißen lassen würde. Würde dies denn nicht nur dann passieren, wenn ich mich in dem Eintrag irgendwo ein bisschen wieder finden würde? Wenn ich aber eine arbeitende Mutter bin, die überzeugt ist, von dem was und wie sie es tut, dann sage ich mir: „Ja es gibt auch Solche, schade, dass es sie gibt, aber trifft auf mich nicht zu bzw. ich mache es anders. “ Oder ist es heute vielleicht normal, dass man respektlose Justin Biber Videos im Unterricht zeigt, Belohnungssysteme für schlagende Schüler einführt und Eltern einfach das, auf einem Elternabend erzählt, was sie scheinbar hören wollen, nämlich wann 2018 ein Ausflug in den Wildpark gemacht wird und nicht, dass es erhebliche Probleme in einer Klasse gibt, bei denen man die Unterstützung und Hilfe der Eltern nur zu gut gebrauchen könnte?

 

Selbstverständlich gab es aber auch sehr positive Resonanz, gerade von Eltern (aber auch einigen Lehrern), die Ähnliches erlebt haben, die sich für die ehrlichen Worte bedankt haben und die mich in meinem Tun und Schreiben sehr bestärkt haben.

 

Für Rechtschreibefehler entschuldige ich mich schon einmal im Voraus, denn auch dieses Thema hat viele Leser wütend werden lassen. Aber anscheinend hat auch das Word Rechtschreibung und Grammatikprogramm noch immense Schwierigkeiten mit der neuen Rechtschreibung.:-)

 

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Comments

  1. Lass dich nicht verwirren und mach weiter so. In der heutigen Zeit ist es leider schon fast alltäglich geworden schwierige Themen unter den Tisch zu kehren. Das „Problem“ zu bewundern führt jedoch nie zu einer Lösung… 😉

  2. Also ich bin auch Lehrerin und gleichzeitig Mutter. Noch dazu bin ich Lehrerin an der gleichen Schule meiner Tochter – gewaltiges Konfliktpotential könnte es dort auch geben, aber ich halte mich zurück. Zum einen weiß ich, was Eltern leisten (beruflich und familiär – also als Alleinerziehende weiß ich das erst recht…) aber zum anderen weiß ich auch, was ich als Lehrerin leiste. Ich kann also beide Seiten verstehen und beziehe stets auch Sorgen der Eltern ein. Und was das Arbeiten mit Lehrwerken anbelangt, da stellt sich teilweise auch mehr als ein Nackenhaar auf. Aber auch durch sowas oder aber schulinternen Entscheidungen oder aber auch Entscheidungen aus den Bildungszentren- und Ministerien beeinträchtigen die Schul- und Bildungskultur ganz allgemein. Also machen wir doch alle das Beste aus der Situation, haben die Kinder im Blick und versuchen gemeinsam mit den Eltern eine Linie zu finden. Manchmal ist diese Linie etwas krumm, aber wer geht schon immer geradeaus im Leben?
    Mehr Verständnis auf beiden Seiten tut allen Beteiligten gut und wenn dann auch noch alle an einem Strang ziehen können, ohne sich in irgendeiner Art und Weise persönlich angegriffen zu fühlen, dann haben doch auch die Kinder etwas davon. Denn ganz ehrlich: In der Grundschule fängt der Bildungsweg erst an und viele Jahre werden folgen – sowohl in Bildungseinrichtungen als auch im familiären Umfeld – es gibt immer etwas zu lernen!
    Ehrliche Worte, auch von dir als Blogschreiberin, können manchmal vielleicht verletzten, aber sie zeigen Makel und Wunden auf, an denen man selbst arbeiten muss! Von daher: Schreib weiter so und lass dich nicht verbiegen 🙂
    Liebe Grüße
    Yvonne

  3. So wie Du Dich nach dem ersten Eltern Abend fühlst, empfand ich damals auch. Mittlerweile bin ich etwas lockerer geworden, um mir selbst weiniger Streß anzutun. Ich habe nämlich gemerkt, dass es oft effektiver ist, sein Ding einfach zu machen, als zu erwarten, dass alle es einem gleich tun. Ich unterstütze mein Kind nicht mittels Tablet und App beim Lernen und Hausaufgaben werden zuende gemacht und nicht nach Zeitvorgabe beendet. Ich tue das in die Brotdose, was meinem Ernährungs Stil entspricht und nicht was andere vorgeben. Ich kaufe Pappordner statt Plastik Hefter, usw….ich bleibe mir da treu!!!! Was andere machen muss ich tolerieren. Außer sie treten mir zu Nahe! Ich habe schon ältere Kinder und aus diversen Erziehungsfehlern lernen müssen! Punkt! Zudem ist jede Familie anders. Wir sind eine Sportdominierte Familie! Die Wochenenden sind allesamt terminiert mit Wettkämpfen oder selten mal Familientreffen. Ich werde immer zu einem wichtigen Wettkampf als zu einem Schulfest gehen! Notfalls ist mein Kind eben krank! Ich schreibe Niemandem was vor und mag mir nichts vorschreiben lassen. Dennoch muss es eine gemeinsame Linie geben. Einbe, mit denen Eltern und Lehrer klar kommen, oft ein Kompromiss. Dafür muss sich jede Partei in die Lage der anderen versetzen und eine konstruktive Kritik zulassen. Das ist leider nicht einfach! Wie man durch die Reaktionen auf den Blog erkennen kann!

  4. Um es vorweg zu nehmen: Ich bin keine Lehrerin.
    Der Artikel von gestern trägt dazu bei, dass der Lehrerberuf immer mehr diffamiert wird. Lehrer sind eine wichtige Säule dieser Gesellschaft aber leider es ist richtig Mode geworden, auf ihnen herumzuhacken. Und das Nachtreten jetzt macht es nicht besser. Wenn Du, liebe Blogschreiberin, eine bessere Lehrerin sein kannst, dann mach den Job doch! Solche Artikel sind einfach nur ärgerlich. Und im Grunde unehrenhaft.

  5. Ganz ehrlich, dann lass doch solche Formulierungen wie „Liebe Lehrer“ einfach sein. Damit sprichst du nun mal eine ganze Berufsgruppe an. Und warum teilst du den Artikel in einer Gruppe für Lehrer? Warum bist du überhaupt als Mutter in der Gruppe? Du hast deine Kritik nicht konstruktiv und sachlich formuliert, sondern einfach nur frech.

  6. Liebe Carlotte, der zweite Teil dieses Berichtes war ja auch ganz klar an die lehrer gerichtet. Grüße

  7. Das Problem ist, dass Ihr enormes Mitteilungsbedürfnis Ihrem -möglicherweise legitimen- Anliegen schadet. Sie stellen die Lehrkräfte als mit Ampelsystem und falschen Anreizen operierende Kuschelpädagogen dar und stellen ihr eigenes, auf einem festen Wertekorsett (siehe ihre anderen Blogbeträge) basierendes, Erziehungssystem dagegen. Das ganze in einem „das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen“ Gestus in dem auch etwas Selbstherrlichkeit mitschwingt.

    Der oben getroffene Vergleich zwischen Brötchen und Schuhen sowie Kindern ist natürlich in der Sache falsch, der Effekt hingegen ist identisch: Sie sorgt für eine Trotzreaktion der Kritisierten, ganz unabhängig davon ob die Kritik inhaltlich richtig oder falsch war. Mit Ihrem Aplomb haben Sie die Kommunikation eskalieren lassen; ändern werden sie mit der von Ihnen angewandten Brechstangenmethodik nichts und wenn, dann nur äußerst mühsam. Blogbeiträge sind hierzu also nur bedingt geeignet.

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