Warum einige Dinge früher gar nicht so schlecht waren

Die Bild am Sonntag hat vor ein paar Wochen ein Video veröffentlicht, indem es darum ging, was früher alles so viel besser war.

Kinder durften mit fünf Jahren schon Besorgungen machen, Probleme wurden selbst gelöst, man ging alleine zur Schule, es wurde sich gestritten und wieder vertragen und auf Kindergeburtstagen durften die Kinder ohne Kindersitz auf dem Autorücksitz mitfahren. Nachmittags wurde bei den Nachbarskindern geklingelt um mit ihnen zu spielen, und spätestens wenn es dunkel wurde, sollte man zu Hause sein. Da frage ich mich ganz ehrlich – wieso früher? Wieso geht das denn heute nicht mehr? Liegt es vielleicht daran, dass die Eltern kein Vertrauen mehr zu ihren Kindern haben? Oder ist eine Selbstständigkeit der Kinder gar nicht gewollt? Werden hier die Ängste der Eltern auf ihre Kinder projiziert? Oder ist das „mein Kind ist auch gleichzeitig mein bester Freund“ Prinzip daran schuld?

Bei uns gibt es so etwas nicht. Ich habe großes Vertrauen zu all meinen Kindern und bin jeden Tag stolz darauf, wenn Sie ihre Probleme selbst gelöst und Dinge selbstständig geklärt bekommen. Selbstverständlich bin ich immer für sie da, stehe mit Rat und Tat zur Seite und springe jederzeit ein, wenn sie alleine nicht weiterkommen. Nehmen wir als Beispiel das alleinige zur Schule gehen: Emma und Lena fahren seit den diesjährigen Sommerferien, jeden Morgen, alleine mit dem Bus zur Schule. Und natürlich haben wir das im Vorwege mit ihnen geübt, sind die Strecken mit ihnen abgefahren und abgegangen, haben Busnummern auswendig gelernt und sie versucht auf mögliche „Notsituationen“ vorzubereiten. Und ganz ehrlich: Ich erfreue mich jeden Morgen daran, wenn die beiden hier mit großem Grinsen und ohne zu meckern, das Haus verlassen um ihren Bus um 7:17 Uhr zu bekommen. Jetzt werden Einige auf schreien: „Was um 7:17 Uhr? Da ist es doch noch total dunkel!“ Ja das stimmt, es ist noch dunkel aber wo ist das Problem? Ich traue meinen Kindern auch zu, dass sie sich im Dunkeln orientieren können und den Weg zum Bus finden. Und noch mehr, erfreue ich mich jeden Tag, wenn die beiden nachmittags, laut lachend die Straße runter kommen und selbst die Nachbarn uns schon angesprochen haben, was wir für fröhliche Kinder haben. Die beiden haben dadurch eine Freiheit, die ich ihnen nehmen würde, wenn ich sie jeden Tag zur Schule hinfahren und wieder abholen würde. Ich würde ihnen die Erfahrung nehmen, dass sie auch alleine auf sich achten müssen und gucken müssen, gerade wenn es dunkel ist, dass die Autos sie sehen. Ich würde ihnen die Erfahrung nehmen, sich auf dem Rückweg von der Schule, einfach mal so zwischendurch, beim Eisladen eine Kugel Eis zu holen und ich würde ihnen die Erfahrung nehmen, dass man auch mal alle Fünfe gerade sein lassen kann, ein Bus später nimmt und in seinem eigenen Tempo nach Hause geht.

Richtig witzig wird es, wenn die beiden uns beim gemeinsamen Abendbrot erzählen, was sie teilweise für Streitigkeiten untereinander auf diesen Strecken haben. Glücklicherweise ist immer wieder alles gut, wenn sie hier ankommen. Sie kriegen ihre Probleme also auch schon ganz gut untereinander gelöst, ohne dass Mutti sich ständig einmischt, dazwischen funkt und kluge Tipps gibt.

Die meisten Streitigkeiten gibt es hier bei uns an den Wochenenden. Wisst ihr warum? Wer Brötchen holen darf. Klingt komisch, ist aber so….und wenn dann einer von uns schon wieder schneller war, dann haben wir hier richtig enttäuschte Gesichter. Denn auch da ist meine Einstellung folgende: Gebe den Kindern relativ früh die Chance, Aufgaben alleine zu meistern. Und natürlich bin ich die ersten Male mitgefahren und hab die Kinder dabei begleitet. (Also wenn man ganz ehrlich ist, musste ich nur einmal mit. Danach wollten sie unbedingt alleine fahren) Und solch euch etwas sagen? Das macht uns allen hier unheimlich viel Spaß. Wir müssen uns an den Wochenenden nicht abhetzen, müssen nicht für alles alleine sorgen und die Kinder sind glücklich wenn sie helfen können und ihre Aufgaben haben. Was man sehr deutlich an den enttäuschten Gesichtern erkennt, wenn sie dann mal nicht Brötchen holen dürfen bzw. müssen. 🙂

Ich persönlich, finde es sehr schade, dass heute nur noch so wenige Kinder, nach diesen Prinzipien erzogen werden und mit dieser, meiner Meinung nach, völlig falschen Haltung den Kindern gegenüber, zusammen gelebt wird. Ich sehe so häufig Kinder, die meiner Meinung nach schon sehr viel mehr könnten und vor allem auch gerne mehr wollen würden. Teilweise werden diese Kinder, auf eine so ungesunde Art und Weise klein gehalten. Ich glaube, dass man den Kindern damit keinen Gefallen tut. Ich glaube, dass man ihnen dadurch sehr viele Freiheiten nimmt, den Kindern sehr viel Selbsterfahrung vorenthält und das man ihnen mit diesem künstlichen ‚klein halten‘, auf eine gewisse Art und Weise, ihre Zukunft sehr schwer macht.

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Comments

  1. Ich denke mal, dass das mehr mit dem fehlenden Vertrauen in die Mitmenschen zu tun hat und weniger mit den Kindern. Früher waren die Medien aber nicht so groß. Da gab es nur Radio und wenn überhaupt Fernsehen oder die Tageszeitung. Die Kathastrophen in der Welt waren dadurch nicht so presänt wie jetzt. Das Internet hat viel verändert.

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