Unsere Zwillinge – sie könnten unterschiedlicher nicht sein

Bevor ich meine Diagnose ‘Sie bekommen Zwillinge’ bekam, hatte ich mich mit dem Thema Zwillinge nicht wirklich beschäftigt. Zwillinge hießen bis dahin für mich: Zwei doch sehr gleiche Menschen, die sich natürlich rein optisch sehr unterscheiden können.

 

Ich dachte immer, dass Zwillinge eine Art ‘gleiche Charakterstruktur’ aufweisen würden, da sie ja sozusagen ‘aus einem Guss’ sind. Durch die Geburt unserer Zwillinge wurde ich eines Besseren gelehrt: Unsere Zwillinge könnten unterschiedlicher nicht sein.

 

Nehmen wir mal das Thema essen:

Während unser Dickie gemütlich und zufrieden auf seinem Brot rumkaut und immer wieder sehr aufmerksam beobachtet was die Anderen in der Gruppe machen, schneidet Feechen durchgehend Grimassen, guckt sich ihr ‘schon ziemlich Durchkautes’ immer wieder nochmal genauer an und versucht mit lustigen Kreischgeräuschen, den Rest der Gruppe bei Laune zu halten. Dies hat dann meisten zur Folge, dass wir unser eigenes Wort nicht mehr verstehen, der Hund und die Katze sich über die Essenreste unter Ihrem Hochstuhl freuen und Lena und Emma einen Lachflash bekommen, weil Feechen ja ‘so wahnsinnig lustig’ gucken kann.

 

Das Thema schlafen:

Unsere Fee geht gerne ins Bett. Sobald sie ihren Schlafsack sieht, geht der Daumen in den Mund und ihre Lider fangen an zu flackern. Sie wird schmusig, fängt an zu lächeln und sobald du mit ihr vor ihrem Bett stehst, dreht sie sich mit Ihrem Oberkörper Richtung Matratze. Ein absolutes ‘Wunsch- Schlafkind’. Dickie dagegen fängt fürchterlich herzzerreißend an zu weinen, wenn er seinen Schlafsack sieht. Man könnte fast meinen, dass es für ihn einer Zwangsjacke gleicht kommt. Es ist jeden Abend aufs Neue eine große Herausforderung, ihn in den Schlafsack zu bekommen. Sobald er in seinem Bettchen liegt, beginnt er mit seinem ‘Ich grummel mich in den Schlaf Gesang’. Dieser klingt immer etwas missmutig und soll uns wahrscheinlich sagen:’So richtig glücklich bin ich damit nicht, aber nun gut….’ Dies Prozedere dauert meist nicht länger als ein paar Minuten, dann ist auch Dickie ins Träumeland entflogen.

 

Thema alleine spielen und beschäftigen:

Wir haben hier ein paar Rituale eingeführt, damit die beiden auch mal Zeit für sich haben. Da wir hier ja ein paar mehr Kinder haben, halte ich es für wahnsinnig wichtig, dass auch die ganz Kleinen mal Auszeiten für sich bekommen. Heißt, ab und zu setzen wir die beiden mit etwas Spielzeug in Ihre Betten. Fee gollert vor sich hin, winkt Dir noch, wenn Du den Raum verlässt und kann sich gut und gerne eine halbe Stunde, nur mit einer von mir selbsgebastelten ‘Klopapierpappenrassel’ beschäftigen. Dickie dagegen verwüstet sein ganzes Bett und alle, für ihn von dort erreichbaren Gegenstände, die ihm sonst noch so in die Hände kommen. Rollos werden erkundet, Babyphone auseinandergenommen, Bettumrandungen abgebaut und und und.

 

Thema Tiere:

Wir leben hier mit unserer Hündin Caya und unserem Kater Mogli zusammen. Zwei sehr familienfreundliche und vor allem genügsamen Gefährten. Feechen sieht die beiden eher als zwei große Knuddelbären. Sobald einer der beiden in ihren Augenschein tritt, geht der Daumen in den Mund und es wird sich angeschmiegt. Natürlich nur unter meiner Beobachtung. Sie legt sich gerne zu Caya ins Hundebett, dreht vorsichtig Caya’s Fell zwischen ihren kleinen Fingern und legt ihr Köpfchen auf Cayas Brust.

Tilchen dagegen wittert bei den beiden eher eine fette Beute. Moglis wippender Schwanz ist für ihn eine Art ‘provozierendes Spielzeug mit Fell dran’. Immer wieder versucht er Moglis Schwanz zu packen und daran zu ziehen. Aber dank unserer großartigen ‘Babypolizei’ Emma, Lena und Martha, ist ihm dies noch nie zu 100% gelungen. Wir konnten bisher größere Schäden vermeiden. Mogli muss seitdem etwas mehr Zeit im Freien verbringen und bei Tilchen müssen wir weiterhin sehr aufpassen, dass er uns nicht durch die Katzenklappe entkommt, bzw. würde er da wahrscheinlich miitig drin stecken bleiben.

 

Diese wunderbaren Zwerge sind so grundverschieden und doch haben Sie eine Art ‘gemeinsames Band’ was sie verbindet. Weint der eine, stimmt sich der andere, aus Fürsorge gleich mit ein. Essen wird hin und hergetauscht und untereinander aufgeteilt und tut der eine sich mal weh, krabbelt der andere hin und versucht auf eine gewisse Art und Weise zu trösten. Sie sprechen eine gemeinsame Sprache und schaffen es schon jetzt sich untereinander zu verständigen. Das ist wunderbar mit anzusehen und ich bin sehr sehr dankbar, dass ich das große Glück habe, meine Zwillinge beim Großwerden zu begleiten und dieses Wunder mit erleben zu dürfen.

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